Blick auf die gut erhaltenen römischen Thermenruinen mit hypokaustischen Säulen im Boden zur Beheizung des Fußbodens, umgeben von Steinmauern in einem modernen Museum.

Dauerausstellung

Entdecken Sie 2000 Jahre Badekultur von der römischen Zeit bis heute.

Überblick

Seit 2008 zeigt das Museum der Badekultur in Zülpich die Kulturgeschichte des Badens in einer europaweit einzigartigen Ausstellung. Ausgehend von der besterhaltenen römischen Thermenanlage ihrer Art nördlich der Alpen, schlägt die Ausstellung einen Bogen von der Antike bis in die Gegenwart. Eine anschauliche Inszenierung, verbunden mit interessanten Hintergrundinformationen, lädt zu einer ebenso informativen wie kurzweiligen Reise durch die Geschichte des Badens ein. Die Palette der gezeigten Objekte reicht von römischen Toilettenartikeln über die Einrichtung einer mittelalterlichen Badestube, kuriosen Erfindungen des letzten Jahrhunderts bis hin zu moderner Bademode und aktuellem Baddesign.

Kinder entdecken die Ausstellung mit einem Comic und der dazugehörigen Museumsrallye. Zahlreiche Multimediastationen laden alle Besuchenden zum Erleben mit allen Sinnen ein.

Die römische Thermenanlage

Die Römer und das Baden

Die Badekultur ist keine Erfindung der Römer. Schon im alten Mesopotamien gab es Großbauten mit Badewannen und Toiletten-Anlagen, wie z.B. im Palast von Mari (2350 v. Chr.).

Die Römer übernahmen die Idee der öffentlichen Sport- und Waschanstalten (Gymnasien) aus den hellenistischen Städten des griechischen Raums. Neu ist bei ihnen die Standardisierung des Badens im gesamten Römischen Reich über eine genau definierte Abfolge von Badegängen in öffentlichen Badehäusern.

Badekultur war Bestandteil des täglichen Lebens, auch in den Provinzen. Dort verzichteten die Bewohner nicht auf Badeluxus. Die Architekten legten Wert auf eine repräsentative Wirkung der Thermen. Die von Archäologen in Zülpich geborgenen Funde beweisen dies: Zum Beispiel gibt es Fragmente von Bauschmuck. Die Wände waren nach dem damaligen Zeitgeschmack mehrfarbig gefasst und mit Ornamente verziert.

Die Bevölkerung nutzte das Badehaus nicht nur zum Baden, sondern auch als gesellschaftlichen Treffpunkt. Jede Stadt besaß ein solches Badehaus. Die Anzahl der Thermen war von der Größe der Siedlung und ihrer Einwohnerzahl abhängig. Oft wurde Wert auf eine luxuriöse Ausstattung gelegt. An der mehr oder weniger aufwändigen Gestaltung der Thermen ließ sich der Wohlstand des betreffenden Ortes ablesen.

Blick in die Ausstellung: beleuchtete Fundvitrine und Glasboden über den römischen Mauern
Bildnachweise

Quelle folgt

Der Grundriss

Der Grundriss einer Thermenanlage war im gesamten Römischen Reich gleich. Er bestand aus der Abfolge von drei Räumen: dem Kaltbad, dem Warmbad und dem Heißbad.

Diese Abfolge findet man auch bei den römischen Thermen in Zülpich. Gebaut wurden sie Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. Zur festen Ausstattung gehörte neben der Fußboden- und Wandheizung je eine Wanne im Kalt- und im Heißbaderaum. Sie wurden später um je eine zusätzliche Wanne ergänzt. Ein Kanal entsorgte das Abwasser und spülte gleichzeitig die Latrinenanlage.

Der Rundgang durch die Thermen konnte durch einen Besuch im trockenen Schwitzraum oder der Außenanlage variiert werden. Im Zuge des 3. Jahrhunderts wurde der Gebäudekomplex um eine „basilica thermarum“ ergänzt. Ab da konnte in dieser Mehrzweckhalle auch Sport getrieben werden. Zur selben Zeit erhielten die Thermen ein zweites Warm- und ein Heißluftbad, was auf rege Nutzung der Bewohner Tolbiacums, so hieß Zülpich bei den Römern, schließen lässt.

Modell der römischen Thermenanlage von Zülpich mit Schautafeln
Bildnachweise

Quelle folgt

Die Technik

Herzstück einer jeden römischen Thermenanlage ist der Kreislauf von Frischwasserzufuhr, Wassererwärmung und die Ableitung des gebrauchten Wassers. Aus dem Mittelmeerraum waren die Römer an eine sehr effiziente Wassernutzung gewohnt.

Dies ist auch in Zülpich zu erkennen: Zuerst wurde das Wasser als Badewasser genutzt, anschließend durchspülte es die Latrinen. Der Wasserbedarf war nicht unerheblich. Die Erwärmung der Baderäume erfolgte in Zülpich durch Feuerstellen, von denen es im Laufe der Nutzung insgesamt fünf gab. Besonderes Merkmal der Thermen in Zülpich sind die zum Teil gut erhaltenen Fußböden aus Terrazzo. Diese Fußböden ruhen auf Pfeilern aus Ziegeln. Dazwischen konnte die erzeugte Wärme zirkulieren, über Kanäle in den Wänden hochsteigen und über Schornsteine abgeleitet werden.

Blick über die Hypokaustpfeiler der römischen Thermenanlage
Bildnachweise

Quelle folgt

Mittelalter

Auch wenn es kaum sanitäre Anlagen gab, achtete die Bevölkerung des Mittelalters auf ihre Gesundheit und Körperhygiene. Baden gehörte weiterhin zum Alltag, sei es als Teil der Gastfreundschaft oder des gesellschaftlichen Rituals wie zum Beispiel bei dem Hochzeitsbad.

In den Städten gab es öffentliche Badestuben. Diese bestanden zunächst nur aus Schwitzbädern, erst später gab es auch Wannenbäder. Armen wurde die Möglichkeit zum Baden durch Stiftungen gegeben, Handwerkern durch das so genannte Badegeld (heute Trinkgeld).

Wie zur Römerzeit gab es in den Badeanstalten auch Wellnessangebote – darunter Massage, Haareschneiden, Rasur, Schröpfen, Aderlass und kleine ärztliche Eingriffe. All dieses wurde durch den Bader, der dort als eine Art Bademeister und Dienstleister tätig war, durchgeführt. Im Gegensatz zu den römischen Thermen fielen die mittelalterlichen Badestuben im Stadtbild nicht auf, da sie in den zum Teil engen Gassen hinter Bürgerhausfassaden lagen. In den Burgen entwickelte sich die Tendenz – je nach vorhandenem Platz – ein spezielles „Badezimmer“ einzurichten. Auch in den Häusern des gehobenen Bürgertums in den Städten sind Baderäume überliefert.

Ganze Galerie sehen

Frühe Neuzeit / Barock

Durch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) waren viele Städte zerstört und ganze Landstriche entvölkert. Für eine öffentliche Badekultur fehlte es an Infrastruktur und Rohstoffen: Brennmaterial, um die öffentlichen Badestuben anzuheizen, gab es nicht, die Wasserleitungen waren in vielen Gegenden zerstört und es mangelte an geschultem Personal: den Badern.

Als Konsequenz neuen Körperbewusstseins und grassierender Ansteckungsgefahren hielt die private Badewanne zunehmend Einzug in die Haushalte. Die früheren Zusatzleistungen wie Rasur, Haarschnitt und medizinische Eingriffe wurden von neu entstandenen Berufsgruppen übernommen. Das Waschen wurde mit einfachsten Mitteln bewerkstelligt – mit einem Eimer oder einer Schüssel, gefüllt mit sauberem Wasser. Aus der Schüssel und dem darunter befindlichen Möbel wurde mit der Zeit ein Waschtisch. Er stand meistens im Schlafzimmer. Auch die Toilette entwickelte sich weiter. Neben dem Plumpsklo kamen Toilettenhocker, -stühle und -sessel auf. Im Barock – einer Zeitepoche, die durch ihre gepuderten Perücken bekannt ist – kommen Badezimmer in den unterschiedlichsten architektonischen Formen vor. Darunter sind auch einige funktionslose Bäder, die zwar luxuriös ausgestattet sind, aber weder über Wasserzu- noch -ableitungen verfügten. Sie waren hochadeligen oder fürstlichen Schlossbesitzern vorbehalten und dienten repräsentativen Zwecken.

Neuzeit

Industrielle Revolution

Durch veränderte politische, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse kam es Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts zu großen gesellschaftlichen Umwälzungen. Im Zuge der „Industriellen Revolution“ wuchsen die Städte, was neue Probleme bereitete: Die Bewohner mussten mit frischem Wasser versorgt und die anfallenden Abwässer entsorgt werden. Die Städte bauten Wasser- und Klärwerke, Kanalisation und Leitungsnetze. Ein großes Problem war die räumliche Enge – unhygienische Verhältnisse und Krankheiten waren die Folge, zu denen geniale Erfindungen schließlich die Lösungen lieferten: 1775 das „Klosett“ mit Wasserspülung, 1848 der erste „Niederschraub-Zapfhahn“ für Waschbecken, 1862 die emaillierte Gusseisenbadewanne, 1892 der „Gasbadeofen geschlossenen Systems“: Zusammen bilden sie noch heute die Grundelemente eines jeden Badezimmers.

Geniale Erfindungen

Das Bad bot immer ein breites Betätigungsfeld für Techniker, Erfinder und Gestalter. Nicht nur mit den Materialien wurde experimentiert, sondern auch mit Formen. Der Badestuhl der 1880er Jahre ermöglichte im Gegensatz zur Sitzbadewanne, den ganzen Körper im Wasser zu baden. Besondere aufwändige Exemplare waren mit eigener Heizanlage zur Warmwasserbereitung oder Brausevorrichtungen versehen. Wasser- und gleichzeitig Platz sparend waren die im späten 19. Jahrhundert auftretenden, zusammenlegbaren Dampf-Schwitz-Apparate. Bis zum heutigen Whirlpool musste diese Idee jedoch mehrfach modifiziert und weiterentwickelt werden. Einen Meilenstein in der Entwicklung ist die „Schaukelbadewanne“– ein Wellenbad für die eigenen vier Wände. Die Alternative zum Wannenbad bot seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert das „Douche“- oder Brausebad. Die Konstruktion war so einfach wie genial: von einem an der Decke installierter Duscheimer ergoss per Handzug das Brausewasser auf den darunter Stehenden, der in einer so genannten „Schwammwanne“ stand. Weitere wichtige Erfindungen dieser Zeit waren die nun industriell gefertigten Bade-Accessoires wie Seife und Parfüm.

Baden & Hygiene

Mit der Industriellen Revolution erhielt der Aspekt der Hygiene einen anderen Stellenwert. In den Ballungsräumen war eine hygienische Grundversorgung unerlässlich, wollte man den aufkommenden Krankheiten und Epidemien künftig begegnen.

Zahlreiche öffentliche Wasch- und Badehäuser wurden errichtet, die der individuellen Körperhygiene dienten und meist auch die Möglichkeit zum Wäschewaschen boten. Schwimmbecken als große Badewannen kamen im Laufe der Zeit hinzu. Mit der Zunahme der Bäder im privaten Bereich nahmen die Angebote der öffentlichen Bademöglichkeiten ab. Die Schwimmbäder beschränkten sich nun zumeist auf sportliche Angebote.

Ganze Galerie sehen

Heute & Morgen

Wie sehen die Badezimmer der Zukunft aus? Gehorchen sie der Rationalisierung von teurem Wohnraum oder werden sie zu Design-Oasen? Dass es das Bad noch geben wird, scheint sicher, ob darin Platz für eine Badekultur bleibt, ist dagegen fraglich.

Die Badeanstalt ist heute eher zu einem Erlebnisbad geworden. Weder Körperertüchtigung noch Hygiene stehen hier im Vordergrund. Die (oft gigantischen) Erlebnislandschaften wollen vielmehr Urlaub für Stunden vermitteln. Auch die Frage nach den Ressourcen bleibt unklar: Wird die Wasserknappheit zu einem globalen Problem werden? Werden wir uns in Zukunft noch mit Wasser waschen oder werden die Menschen wieder physikalische Methoden anwenden? Vielleicht ist das römische Bad der Vergangenheit in Zukunft ein Luxus.

Ruhebereich der Ausstellung mit rot-weißen Liegestühlen
Bildnachweise

© Cindy Franke / RTZ

Zülpich in römischer Zeit

Vor fast 2.000 Jahren war Zülpich, das römische Tolbiacum, ein bedeutender Ort an einer wichtigen Fernstraße zwischen Köln und Trier. Reisende, Händler und Soldaten machten hier Halt, wodurch sich der Ort zu einem lebendigen Zentrum entwickelte. Die Römer hinterließen Spuren, die bis heute sichtbar sind: Dazu zählen nicht nur die Thermen, sondern auch archäologisch nachgewiesene Straßen und Gebäude erzählen vom Alltag, von Handwerk, Handel und dem Leben der Menschen in der Provinz.

Ganze Galerie sehen

Die Dauerausstellung vor Ort erleben

Erleben Sie die Geschichte der Badekultur hautnah. Nutzen Sie das Kontaktformular, um Ihren Besuch anzufragen oder weitere Informationen zu erhalten.
Zielgruppe
Wählen Sie die Zielgruppe aus.
Datum
Gruppengröße
Ausstellung (optional)
Name
E-Mail
Telefonnummer (optional)
Für kurzfristige Rückfragen oder Änderungen.
Nachricht (optional)
Optional, aber hilfreich für die Planung.

Ihre Anfrage wurde erfolgreich übermittelt.

Vielen Dank für Ihr Interesse an den Römerthermen Zülpich. Wir haben Ihre Anfrage erhalten und melden uns schnellstmöglich, in der Regel innerhalb von 1–3 Werktagen, bei Ihnen zurück

Etwas ist schiefgelaufen. Bitte versuchen Sie es erneut.
Veranstaltung
Wählen Sie die Veranstaltung aus.
Name
E-Mail
Telefonnummer (optional)
Für kurzfristige Rückfragen oder Änderungen.
Nachricht (optional)
Optional, aber hilfreich für die Planung.

Ihre Anfrage wurde erfolgreich übermittelt.

Vielen Dank für Ihr Interesse an den Römerthermen Zülpich. Wir haben Ihre Anfrage erhalten und melden uns schnellstmöglich, in der Regel innerhalb von 1–3 Werktagen, bei Ihnen zurück

Etwas ist schiefgelaufen. Bitte versuchen Sie es erneut.
Name
E-Mail
Telefonnummer (optional)
Für kurzfristige Rückfragen oder Änderungen.
Nachricht (optional)
Optional, aber hilfreich für die Planung.

Ihre Anfrage wurde erfolgreich übermittelt.

Vielen Dank für Ihr Interesse an den Römerthermen Zülpich. Wir haben Ihre Anfrage erhalten und melden uns schnellstmöglich, in der Regel innerhalb von 1–3 Werktagen, bei Ihnen zurück

Etwas ist schiefgelaufen. Bitte versuchen Sie es erneut.